Die neue Seele
Das die Schrift der Überschrift kaum zu lesen ist, das war ihre Idee. Es sieht aus wie die Fahne von Israel, aber sie ist es nicht. Ich habe eine Zeit lang gebraucht, vom Aufstehen bis zum Frühstück, um mir ihr darüber zu diskutieren, was ich schreiben kann und was nicht. Ich habe ihr gesagt, sie kann gehen wann sie will, sie hat geantwortet, ich habe gerade meine Koffer ausgepackt, der Große sagt, es kann lange dauern. Okay, wenn sie es so meint. Hey, ich habe meinen Knoten gegessen.
Du musst langsamer reden, ich komme nicht hinterher mit dem Schreiben. ... Wenn eine Seele lacht, hört sich das echt blechern an. Hör auf. Also, wo soll ich anfangen? Da nicht und da auch nicht. Einen Flunsch ziehen, hilft dir da reichlich wenig. Du könntest meine Enkelin sein. Was soll's, du hast gesagt, ich sehe alt aus. Du bist für mich noch ein Kind.
Also fangen wir da an, wo sie wie Würmer aus der Erde kriechen und nichts weiter im Sinn haben, als euch zu ermorden, wieder Geiseln zu nehmen und das Land Israel in den Schwitzkasten zu nehmen bis zum Erwürgen, bis zu Ohnmacht. Fast. Dieses Mal nicht. Ich weiß, du bist der Meinung mit mir nicht wieder. Das ist eine hohe Aussage, die solltest du dir lieber sparen. Lange Kleider konnte ich mir schon vorher anziehen...
Wehe, wenn ich Geheimnisse enthülle. Und wehe, wenn ich sie nicht enthülle. Wer hat mich von der linken Seite meines Bettes auf die rechte gescheucht und fordert jetzt, dass ich sie nicht verlasse? Wer? Und was noch wichtiger ist, warum?
Ich habe eine zornige, junge Seele bekommen. Sie ist zornig wegen Gaza, wegen dem das ihr passiert ist und dass ihr nicht seht, was der Terror mit euch anstellt. Sie ist zornig, weil ich recht habe, weil ihr alle recht habt, aber irgendwie ein Gang gefunden werden muss, den wir alle gehen können und müssen, weil mit solch eine Terrororganisation keiner leben kann, das ist nicht richtig, kann Israel nicht leben. Der Welt ist das so ziemlich scheißegal. Und egal wie sehr sich die Opposition bemüht, und ich schätze das sehr, die Wogen irgendwie zu glätten, ihr könnt den Eindruck, auch nach dem gestrigen Tag nicht ändern, dass es nur einen Weg gibt.
Und weil die junge, zornige Seele für euch zweimal sterben würde. Und weil das, um es zu schreiben, eigentlich ein Unding ist. Lieber umgebracht werden, als der Hamas ein Weiterleben zu garantieren. Wenn, ja wenn, wenn sie am Weiterleben gehindert werden kann. Könnt ihr das garantieren? Das ist doch die Frage, die sich hier alle stellen. Sie haben einen Staat unter einer Stadt gebaut. Einen Terrorstaat, der nur darauf aus ist, Israelis zu ermorden, sie zu quälen, zu foltern oder zum besseren Spaß Geiseln zu nehmen. Sie sind zum Teil mit dafür verantwortlich, dass unter euch der zornige Mob tobt und euch gegeneinander aufbringt. Da müsste eigentlich die politische Opposition den Friedensnobelpreis bekommen.
Ob ich gegen den Krieg bin oder dagegen. Die Antwort steht außer Frage. Ich bin in der Seele chassidisch, immernoch und weiterhin. Ich bin aber auch ein religiöse Zionistin und stehe nahe, ja, woran eigentlich? Sag es, sag es, sag es, raunt sie mir, in meinen Geist. Ne, das ist privat. Religionstechnisch bin ich eine Haschem-Chabad-Gelernte auf dem Weg eines Neuorthodoxen Judentums. Lang, nicht war? Das ist so, wenn man heute ultraorthodox ist, dann wird man gleich in etliche Kisten gesteckt, in die man nicht hineingehört. Und vielleicht stimmt dieses Wort auch nicht. Vielleicht ist das Wort, fromm, vielleicht viel passender. Man muss nicht immer eine neues Wort für eine alte Sache erfinden, nur um sie schmackhafter zu machen.
Ja, ja, ja, raunt sie. Haschem, eine viel wenige Geschwänzige wäre gut gewesen. Ja, du hast sie doch gerufen. Klage nicht mich an, raunt Er da zurück. Da lachst du... Für die, die das hier lesen, es ist wie im Kasperletheater, aber mit Blut überall. Du sollst alles sagen, und nicht nur Teile, sagt sie mir. Das geht nicht. Warum?...
Vorgestern Abend habe ich ihn nach Hause gehen sehen, es war zu euer Zeit halb acht Uhr abends. Ich bin geblieben, und habe mich mit einer jungen Soldatin unterhalten, die gerade den Panzer geputzt hat. Und, hab ich zu ihr gesagt, er ist nach Hause gegangen. Ja, das hab ich gesehen, sagt sie. Ich bin noch eine Weile da, sag ich, ich auch, sagt sie. 24 Stunden später bittet sie mich, ihr das Okay zu geben, dass sie ausgehen kann. Hast du deinen Vater gefragt, frage ich sie. Ja, sagt sie. Dann geh, aber komme wieder, Kleine. So groß wie ich ist sie noch nicht. Sie geht zum letzten Mal aus, da sie als Reservistin in einen Krieg eingezogen worden ist, den ihre Eltern mitbestimmt haben. Und sie geht mit offener Meinung dahin. Und, bist du mir nicht böse, frage ich sie. Dir, weshalb, entgegnet sie. Du hast nie einen Krieg gewollt, nie Tote, keine vergewaltigte und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Frauen, keine ermordeten Kinder, keine Familien, die so trauern, dass die ganze Welt darunter eigentlich zusammenbrechen müsste. Soll ich weiterreden.
Nein, Kleine, komm nur wieder. Ja, da lächelt sie, wenn die Jungs mittlerweile das Fahren gelernt haben, dann ja. Das ist privat, sag ich zu ihr. Sogar meine neue Seele hält sich da heraus. Die Kleine lächelt. Er weiß gar nichts von mir, oder? Frag Haschem. Ob ich eine 19Jährige noch adoptieren könnte oder nicht. Sag nicht, das ist jetzt nur eine Formsache. Aber wenn eine Frau immer später von der Arbeit kommt als der Mann, was ist das? Eure Ehe, antwortet sie. Aber Arbeitsplatztrennung, ich. Sie, das ist angekommen. Nur gut, sie. Wieso? Es hat doch keiner gelesen. Wieso lächelst du da, Kleine? Das ist privat, sagt sie.